Pastoralkonzept

Pastoralkonzept

Präambel

„Versucht gemeinsam, Euch nicht in Formalitäten zu verlieren, in Ideologien und Ängste oder in Selbstgespräche statt Dialog mit dem Heiligen Geist. Und habt keine Angst vor Hindernissen. Habt keine Angst vor Grenzen. Habt keine Angst, an die Ränder zu gehen! Denn genau dort wird der Heilige Geist zu Euch sprechen.“
(Papst Franziskus in einer Ansprache anlässlich der Aktionswoche für die Institute des geweihten Lebens in Spanien, 18. Mai 2021)

0 Grundlegende juristische Festlegungen

Stand des Pastoralkonzepts: 17. Mai 2022
Gültigkeitsdauer: von 01/2023 bis 12/2025
angestrebte Revision: Sommer 2025
Patrozinium: Christi Auferstehung
Biblisches Leitwort: Ich bin bei Euch alle Tage bis ans Ende der Zeit. (cf. Mt 28,20)
Gemeinden in der Pfarrei: St. Canisius, Heilig Geist, St. Karl Borromäus/Salvator
Pfarrkirche: wird durch den Ortsordinarius dekretiert
Zentrales Verwaltungsbüro: Bayernallee 28, 14052 Berlin

Ist-Zustand der existierenden Pfarreien + Orte kirchlichen Lebens (OKL)
Strukturprinzipien:

  • Leitourgia (Liturgie und Gottesdienst)
  • Martyria (Glaubenszeugnis und Katechese)
  • Diakonia (Diakonisches Engagement, Zuwendung zum Nächsten)
  • Koinonia + Oikoumene (Gemeinschaft und Ökumene)

Aufgaben der neuen Pfarrei
Körperschaft des Öffentlichen Rechts (KdÖR) + Pfarrei gemäß CIC can. 515

KdÖR: Aufgabe der KdÖR ist es, die römische-katholische Kirche in Charlottenburg-Wilmersdorf öffentlich darzustellen und als Ansprechpartnerin für die zivilgesellschaftlichen und staatlichen Akteure im Sozialraum zu fungieren, sowie deren Potenziale für das Wohl der Gläubigen und des gesamten Sozialraums zu nutzen. Sie wird durch den leitenden Pfarrer in Zusammenarbeit mit dem Kirchenvorstand (KV) vertreten. Die KdÖR tätigt die Rechtsgeschäfte.

CIC can. 515: Aufgabe der Pfarrei nach can. 515 ist es, die einzelnen, sich personal oder territorial organisierenden Gemeinden und Orte kirchlichen Lebens (OkL) zu unterstützen, ein lebendiges Zeugnis des Glaubens an den dreieinen Gott in den Grundvollzügen von martyria, leitourgia, diakonia, koinonia zu geben. Ein besonderes Augenmerk liegt dabei darauf, dass wir dieses Zeugnis – wo immer möglich – zusammen mit allen Getauften geben (oikoumene). Sie wird gemeinschaftlich durch das Pastoralteam gemeinsam mit dem Pfarreirat vertreten.

1 Spezifika einer Pfarrei, die durch Ordensspiritualitäten geprägt ist

offen

Alle drei pfarreiprägenden Spiritualitäten sind durch eine prinzipielle Offenheit und wohlwollender Neugier auf unsere Welt gekennzeichnet. Unsere Spiritualität ist welt- und glaubensfreudig. Die wache Wahrnehmung der Zeichen der Zeit, wie sie uns in gesellschaftlichen und kirchlichen Entwicklungen entgegentreten, sind Aufforderung an uns, unser pastorales Handeln immer neu zu justieren, um den Menschen frohe und glaubwürdige Zeug:innen des Evangeliums zu sein und um ihnen eine religiöse Heimat zu bieten (Willkommenskultur).

nahbar und ansprechbar

Die Mitglieder der Ordensgemeinschaften und die hauptamtlichen Seelsorger:innen verpflichten sich, einen Seelsorgestil zu leben, der nahbar, erreichbar und zugewandt ist. Wir sind nicht Verwalter:innen eines Betriebes, sondern mit allen Ehrenamtlichen gemeinsam unterwegs in der Nachfolge Jesu, der sich selbst nahbar und berührbar gemacht hat: als verletzliches Kind, im Heilen und Hören, im Lehren und Feiern.

international und missionarisch

Alle drei Spiritualitäten sind international und missionarisch ausgerichtet und inspirieren uns, unseren Horizont zu weiten. Wir weiten unseren Blick räumlich auf die Bereicherung, die wir aus anderen Ortskirchen weltweit empfangen und machen uns projektbezogen auch ihre Nöte zu eigen.
Eine missionarische Spiritualität weitet uns auch im Blick auf ganz unterschiedliche Weisen, katholisch zu sein und dem damit verbundenen geistlichen Wachstumspotenzial.

Quellen unserer Spezifika sind drei Ordenspiritualitäten:

beziehungsstiftend

Aus der Spiritualität der Steyler Ordensfamilie werden wir inspiriert, mit Arnold Janssen den ganz anderen, dreifaltigen Gott als Bewegung von uns selbst weg zum Anderen hin wahrzunehmen. Er sagt von allem Anfang an „du“. Das Erste ist Ursprung, Beziehung, Miteinander. Wir können Pfarrei nicht denken, ohne die göttliche Bewegung zu uns Menschen hin, die sich schenkt, die annimmt und verbindet, ganz besonders in Gottes menschgewordenem Wort: Jesus Christus. Daraus erwächst uns die Aufgabe, selbst zu Glaubenden zu werden, die andere annehmen und immer neue Beziehung untereinander stiften, in der Kraft und dem Wirken des Heiligen Geistes.

integrierend

Aus der Spiritualität der Salvatorianischen Ordensfamilie setzen wir das Wort des seligen Franziskus Jordan um: „Alle sollen Apostel sein“. Die Aufgabe, das Wort Gottes zu verkündigen, erwächst aus der Taufberufung heraus Klerikern und Nicht-Klerikern gleichermaßen als Auftrag. Wir setzen dies um, in dem Nicht-Ordinierten Verantwortung in den verschiedensten Bereichen der Glaubensverkündigung übertragen wird und wir bewusst daran arbeiten, möglichst viele Ehrenamtliche dazu zu ermutigen und zu befähigen. Wichtig ist nicht, wer welche Rolle innehat, sondern wie wir gemeinsam dem Glauben und Leben der Menschen in unserer Pfarrei dienen.

individuell und intellektuell

Die ignatianische Spiritualität ist eine Spiritualität der Freiheit, der Unterscheidung und Entscheidung.
Aus dieser jesuitischen Spiritualität setzen wir die Erkenntnis um, dass Seelsorge (nach dem Wort des Ignatius:“iuvare animas“ – den Seelen helfen) immer den Menschen als Individuum und das Wachstum der persönlichen Gottesbeziehung im Blick behalten muss. Diese spirituelle Tradition ist Leitbild für unsere Seelsorge und unsere Bildungsangebote, so dass sie dem Anspruch der Vernunft genügen und unser Handeln verantwortbar ist.

2 Aufgabe und Rolle der hauptamtlichen Seelsorgerinnen und Seelsorger und der pfarrlichen Gremien

Gottesdienste

Die hauptamtlichen Seelsorgerinnen und Seelsorger garantieren regelmäßige Gottesdienste in den vier Kirchen der Pfarrei. Es ist mindestens eine sonntägliche Eucharistiefeier in jeder Kirche anzubieten.

Weitere Sonn- und Werktagsgottesdienste (Eucharistiefeier, Stundengebet oder diverse Formen der Feier des Wortes Gottes, Andachten o.ä.) finden nach Verfügbarkeit des dafür erforderlichen Seelsorgepersonals bzw. der sich engagierenden und entsprechend ausgebildeten Ehrenamtlichen statt.

Hierbei legen Pfarreirat und hauptamtliche Seelsorger:innen großes Augenmerk darauf, in der Liturgiegestaltung die Charismen der Ehrenamtlichen zu achten, auch im Hinblick auf ihr Glaubenszeugnis und auf die Predigt.

Für die Planung, Vorbereitung und Durchführung liturgischer Angebote sind die liturgischen Kompetenzen, Charismen und Ressourcen der Ehrenamtlichen (wie Mitgestaltung von Gottesdienstelementen, Familien- und Kinderliturgie, Laienpredigten) mit einzubeziehen. 

Die mitgestaltenden Ehrenamtlichen (z.B. Gottesdienstbeauftragte, Lektor:innen, Teamer:innen in der Familienliturgie, Katechet:innen der Kinderkirche, etc.) haben ein Anrecht, durch die Hauptamtlichen gestärkt, beraten und begleitet werden, um sich weiterzuentwickeln und mit ihren Charismen und Kompetenzen die liturgische Vielfalt prägen zu können.

Grundpastoral

Die hauptamtlichen Seelsorgerinnen und Seelsorger organisieren in Zusammenarbeit mit dem Pfarreirat und den Gemeinderäten sowie weiteren Ehrenamtlichen die sogenannte Grundpastoral.

Die Erstkommunionvorbereitung verbleibt in den einzelnen Gemeinden, für die Firmvorbereitung wird perspektivisch ein gesamtpfarrliches Konzept entwickelt, dass die Spezifika der einzelnen Gemeinden respektiert und diese einbezieht.

Einmal im Jahr wird gemeinsam mit den Ehrenamtlichen der Gemeinden überprüft, ob eine eigenständige Durchführung der Sakramentenpastoral Erstkommunion/Firmung leistbar ist. Sollte dies nicht (mehr) der Fall sein, springen die Pfarreiebene oder die anderen Gemeinden mit Unterstützungsangeboten ein.

In folgenden pastoralen Bereichen bestehen derzeit keine kontinuierlichen Angebote, die über die unmittelbare Sakramentenvorbereitung hinausgehen: Tauf- und Ehepastoral, Beerdigungen, Trauerpastoral. Der Pfarreirat wird – in Rücksprache mit den hauptamtlichen Seelsorger:innen – entscheiden, ob es hier zu einer Angebotsentwicklung kommen soll.

Im Blick auf das Ende des Lebens begreifen wir die Beerdigung als Teil eines längeren Prozesses. In Entwicklung befindliche Angebote der Trauerpastoral (Trauercafé) werden verstetigt. Den Beerdigungsdienst versehen alle hauptamtlichen Seelsorger:innen und perspektivisch auch beauftragte Ehrenamtliche.

Organisation des pfarrlichen Lebens

Die Leitungspersonen der Pfarrei halten mindestens einmal monatlich eine Dienstbesprechung mit dem Pastoralteam.

Die Leitungspersonen der Pfarrei halten mindestens einmal monatlich eine Dienstbesprechung mit dem sogenannten „technischen“ Personal.

Das Pastoralteam trifft sich ein Mal im Jahr mit den Verantwortlichen der OkL.

Der Rhythmus der Dienstbesprechungen wird den Gegebenheiten angepasst, unterschreitet aber in keinem Fall die obengenannte Häufigkeit.

Rechtzeitig vor den Sommerferien wird in einer Sondersitzung oder Klausurtagung des Pfarreirates die Pastoralplanung für das kommenden „Pfarreijahr“ (idR September des aktuellen bis Juni des Folgejahres) erstellt.

Aus- und Weiterbildung

Die Ausbildung der Messdiener:innen geschieht in den einzelnen Gemeinden mit fallweise übergreifenden Angeboten, besonders im Bereich der Prävention. Perspektivisch sollen auch Angebote auf Pfarreiebene entwickelt werden.

Die Aus- und Weiterbildung von Katechet:innen, Lektor:innen und Akolyth:innen findet auf Ebene der Pfarrei – wahlweise auch auf Stadt-/Bistumsebene – statt.

Die Ausbildung orientiert sich an der zu erfolgenden Umsetzung des Erzbistums bezüglich der jüngsten römischen Änderungen (MP Spiritus Domini, MP Antiquum ministerium)

Jugendleiter:innen in der nichtverbandlichen Jugendarbeit müssen Inhaber:innen einer gültigen JuLeiCa sein. Der/die zuständige Hauptamtliche hält diese Verpflichtung nach und kommuniziert regelmäßig die entsprechenden Aus- und Fortbildungsangebote an die gewählten Jugendvertreter:innen und unterstützt sie dabei.

Jugendleiter:innen der verbandlichen Jugendarbeit werden gemäß der verbandlichen Richtlinien aus- und weitergebildet, die Aufsicht darüber obliegt – mit Ausnahme der Präventionsrichtlinien – dem Verband.

Prävention

Der Schutz von Minderjährigen und schutzbefohlenen Erwachsenen vor sexualisierter und spiritueller Gewalt ist der Pfarrei ein wichtiges Anliegen. Sie gibt sich dazu ein eigenständiges institutionelles Schutzkonzept.

Weitere Themen

Die Themen Glaubensbildung für Erwachsene und Ökumene werden primär auf Ebene der Pfarrei angeboten, „gewachsene Ökumene“ mit lokalen Partner:innen der einzelnen Gemeinden wird aber ausdrücklich gefördert.

Angebote für vorwiegend immobile Personen (primär: Senior:innenarbeit im 4. Lebensalter) werden ortsnah oder auch in den beiden kirchlichen Seniorenheimen gestaltet.

Der Pfarreirat achtet darauf, dass mobile Senior:innen des 3. Lebensalters durch die pfarrlichen Angebote im Bereich Glaubensbildung und Liturgie erreicht werden und ermöglicht ihnen die soziale und kommunikative Einbindung in den einzelnen Gemeinden oder in der Pfarrei. Diese Altersgruppe findet auch besondere Beachtung im Bereich Ehrenamtsmanagement.

Neben der Grundpastoral wird in der Pfarrei auch grundlegende Katechese zum Gemeindeaufbau unterstützt, vernetzt und gefördert. Dazu werden ehrenamtliche Mitarbeiter:innen regelmäßig fortgebildet, und die personellen und strukturellen Ressourcen der Gemeinden können angefragt werden. 

Die RKW wird als katechetisches Angebot für Schulkinder und Jugendliche auch durch die pastoralen und sonstigen Mitarbeiter:innen unterstützt. Eine Weiterentwicklung der RKW für die Pfarrei wird geprüft und von den Gremien der Pfarrei und den hauptamtlichen Mitarbeiter:innen nach Unterstützungsmöglichkeiten gesucht.

Die Jugendarbeit, die in den Gemeinden verankert ist, wird perspektivisch eigenverantwortlich (Jugendvertreter:innen der Gemeinden) Pfarreiangebote entwickeln, z.B. gemeinsame Jugendgottesdienste, soziales Engagement, Bildungsangebote.

Die Pfarrei verpflichtet sich, die Schöpfung zu bewahren und sie achtsam zu schützen. Der Pfarreirat entwickelt dazu zeitnah ein Konzept.

Für neu zu entwickelnde Angebote der Pfarrei wird ein projektorientiertes Herangehen gewählt, um Menschen ein, gegebenenfalls auch zeitlich begrenztes, Engagement zu ermöglichen und um Evaluierung zu verstetigen. Angebote entwickeln wir mit der notwendigen Wachheit und Flexibilität.

Neubesetzung von Stellen

Bei Stellenbeschreibungen sollen die Qualifikationen für die katechetische Arbeit mit Kindern und Jugendlichen, die Mitarbeit in ehrenamtlichen Teams, die Unterstützung ehrenamtlicher Mitarbeiter:innen aufgenommen und bei der Personalauswahl berücksichtigt werden.

Kirchenmusik

Die Kirchenmusik in ihren vielfältigen Formaten ist ein verbindendes Element der drei Gemeinden der Pfarrei Christi Auferstehung.
Die vor Ort tätigen Kirchenmusiker:innen fördern die musikalische Arbeit in den Chören und Gruppen. Ihr Tun ist auch soziales Wirken und Teil der Seelsorge. Der/ die Pfarreikirchenmusiker:in verantwortet, koordiniert und unterstützt die Tätigkeit der Kolleg:innen in der Pfarrei.
Mit weiteren musikalischen Projekten soll der gemeinsame Weg der Pfarrei Christi Auferstehung begleitet und gefördert werden.

Kindertagesstätten

Die KiTas pflegen eine besondere Nähe zur jeweiligen Gemeinde. Die Zusammenarbeit wird dadurch gefördert, dass der jeweilige Gemeinderat eine Kontaktperson für die KiTaleitung benennt. Diese Kontaktperson trifft sich regelmäßig, mindestens aber zwei Mal im Jahr mit der KiTaleitung, um die Verzahnung der KiTaaktivitäten mit den Aktivitäten der Gemeinde zu planen und durchzuführen.

Die Kontaktperson kann ein:e hauptamtliche:r Seelsorger:in oder ein:e ehrenamtlich:e Engagierte:r sein. Das ehrenamtliche Engagement ist in diesem Bereich zu fördern.

Die KiTas unserer Pfarrei arbeiten nach unterschiedlichen pädagogischen Konzepten. Diese Individualität soll gewahrt werden bleiben. So gibt es Wahlmöglichkeiten für die Familien in der Pfarrei.

Die KiTas in der Pfarrei sind untereinander vernetzt. Die KiTaleitungen arbeiten zusammen und planen gemeinsame Aktivitäten.

Ein besonderes Augenmerk liegt in der Vermittlung von christlichen Werten in der Zusammenarbeit mit den Eltern.

Es ist beabsichtigt, den verwaltungstechnischen Aspekt, der bisher in der Zusammenarbeit zwischen Caritas (Interessenvertretung) und Trägerschaft der Gemeinden lag, anderweitig zu bündeln, z.B. in einem neu zu gründenden Zweckverband auf Bistumsebene.

Die Rolle der Orte kirchlichen Lebens

Die Orte des kirchlichen Lebens kommunizieren regelmäßig Themen und/oder Unterstützungsbedarf an den Pfarreirat. Dieser entscheidet nach Maßgabe der vorhandenen personellen und finanziellen Ressourcen über die Anfragen.

Die Rolle der muttersprachlichen Gemeinden

Die Rolle der muttersprachlichen Gemeinden wird durch das – seitens des Erzbistums noch in Ausarbeitung befindliche – Statut geregelt.

Religionsunterricht und Schulseelsorge

Kinder – vor allem kirchenferne – setzen sich im Religionsunterricht der staatlichen Schulen mit Fragen zu religiösen Weltanschauungen, Werten und Lebensmodellen auseinander. Ein regelmäßiger Austausch der Lehrkräfte kann zu einer verstärkten Kooperation mit der Pfarrei führen und Angebote für Schüler:innen auch in den Gemeinden ermöglichen. Angesichts unserer pluralen und heterogenen Schülerschaft nimmt das Leitungsteam der Pfarrei einmal im Jahr Kontakt zu den Lehrkräften auf, um, offen für neue Modelle und kreative Ansätze, Unterstützung anzubieten.

3 Handlungsfelder, Ziele, Maßnahmen – Themen, die wir bis 2025 aufgreifen wollen

Singles

Im neuen Pfarreigebiet bilden Singles zwischen 25 und 60 eine große, heterogene soziologische Gruppe. Sie sind im pastoralen Handeln der Gemeinden – das sich noch immer stark am bis ins 20. Jahrhundert hinein üblichen sakramentalen Normlebenslauf orientiert – wenig bewusst oder präsent.
Die Hauptamtlichen und die Gremien nehmen dies ausdrücklich als Anforderung an die Struktur der Seelsorge wahr und suchen Wege, die Seelsorgeplanung diesbezüglich zu modifizieren.

Ehrenamtsmanagement

Die neue Pfarrei ist auf allen Ebenen (pastorale Arbeit, administrative Arbeit, Kirchenmusik, technische und hauswirtschaftliche Aufgaben) immer mehr auf die Ressourcen der Pfarreimitglieder angewiesen. Hauptamtliche Mitarbeiter:innen der Pfarrei werden vor allem koordinierend tätig sein. Dafür braucht es eine klare Struktur und Verabredungen, wie Ehrenamtliche gewonnen, eingesetzt, begleitet und unterstützt sowie wertgeschätzt werden. Dazu wird perspektivisch eine zentrale hauptamtliche Koordination der Ehrenamtsarbeit angestrebt. Zwischenschritte sind dabei eine Arbeitsgruppe des Pfarreirates, die sich Beratung durch erfahrene Ehrenamtsmanager:innen einholt und/oder sich durch das EBO schulen lässt. Ziel ist, die Anzahl der ehrenamtlich Engagierten zu steigern, ihre Arbeitsfelder und Einsatzdauer klar zu definieren, ihren Einsatz zu begleiten und zu evaluieren.
Für die professionelle ehrenamtliche Weiterentwicklung der liturgischen, pastoralen und katechetischen Arbeit in der Gemeinde sollen hauptamtlich Mitarbeitende regelmäßig auf Fortbildungsangebote hinweisen und gezielt geeignete Personen aus der Pfarrei für eine Teilnahme werben. Kosten werden nach Möglichkeit von der Gemeinde oder der Pfarrei getragen.

Gottesdienstbeauftragte

Aus der salvatorianischen Inspiration „Alle sollen Apostel sein“ heraus achtet der Pfarreirat darauf, dass regelmäßig Mitglieder der Pfarrei zu Gottesdienstbeauftragten fortgebildet werden und dass diesen Beauftragten ein regelmäßiger Einsatz ermöglicht wird. Auch wenn dieser Dienst dezidiert keine Lückenbüßerexistenz darstellen soll, ist uns doch bewusst, dass wir damit die Grundlage schaffen müssen, auch unter den Rahmenbedingungen eines sich stetig verschärfenden Mangels an Priestern und hauptamtlichen Seelsorger:innen das gottesdienstliche Leben an unseren Kirchorten aufrecht zu erhalten.

Missionarische Angebote – Zugehen auf kirchendistanzierte Menschen

Als Kirche in säkularisiertem Umfeld planen wir Angebote für den Alltag von kirchendistanzierteren Menschen mit spirituellen Anliegen. In ihnen soll die Anziehungskraft des christlichen Glaubens aufscheinen und in dialogischen Formaten angeboten werden. Neue Formate und Begegnungsmöglichkeiten über die klassischen Andockpunkte Gottesdienst und Kasualien werden im Sozialraum gesucht und genutzt. Handlungsmaxime soll sein: Nicht warten, bis jemand zu uns kommt, sondern hingehen, wo die Menschen ihr Leben gestalten. Seit September 2020 haben wir in Folge des 1. Werkstattstages dazu bereits ca. 15 Einzelprojekte (Stand Sommer 2021) umgesetzt. Dies ist auch unsere Herangehensweise für die Geltungsdauer dieses Konzeptes: wir fördern einzelne, zeitlich begrenzte Projekte.

Kommunikation und digitale Strategie

Die Pfarrei ist im Dienst des Glaubens über eine breite Palette von digitalen und analogen Kommunikationskanälen hinweg aktiv. Sie ist dort informierend präsent, wo Menschen sich auch sonst aufhalten, sowohl vor Ort als auch digital. Inhaltlich ist diese Präsenz durch Information über Aktivitäten, Angebote der Glaubensbildung (martyria), sowie seelsorgerliche und gottesdienstliche Angebote (leitourgia) charakterisiert.
Wichtigstes Darstellungsmedium ist die Webseite, die aktuell gehalten wird. Die Webseite wird von zielgruppenspezifischen Angeboten in den verschiedenen Sozialen Netzwerken flankiert, die mit einem Augenmerk auf Interaktivität gestaltet werden.
Hierbei evaluieren wir nicht nur regelmäßig unsere eigenen Aktivitäten, sondern auch, welche neuen Sozialen Netzwerke sich für welche Zielgruppen etablieren und entscheiden in der für Öffentlichkeitsarbeit zuständigen Gruppe, in welcher Intensität und durch wen diese bespielt werden. Eine Evaluation orientiert sich auch am Wirtschaftlichkeitsgrundsatz.
Persönliche Einzelaccounts flankieren das institutionelle Angebot und machen die Buntheit unserer Gemeinden und OKLs sichtbar. Die Pfarrei versendet regelmäßig, perspektivisch wöchentlich, einen Emailnewsletter.

Anordnung des Erzbischofs Dr. Heiner Koch bzgl. Pfarrkirche

Theologische Begründung des Patroziniums

Ostern ist das älteste und das höchste Fest der Christenheit. Es feiert das tiefste Geheimnis unseres Glaubens: Christi Auferstehung.
Das Patrozinium, das wir in einem breiten, partizipativ angelegten Auswahlprozess gewählt haben, zielt ins Zentrum des christlichen Glaubens – wir müssen, dürfen und wollen den Kern unseres Glaubens den Menschen weitergeben: „Deinen Tod, o Herr, verkünden wir und deine Auferstehung preisen wir.“

Die Feier von Christi Auferstehung geht immer einher mit dem Auftrag an Menschen, die gute Botschaft weiterzusagen, zu verkünden: beauftragt sind die erste Auferstehungszeugin Maria von Magdala („Geh und sage meinen Brüdern…”), die Apostel, später Paulus und letztlich die Getauften aller Generationen und so auch heute wir Christinnen und Christen rund um den Funkturm. In der Auferstehung Christi wurzelt unsere Sendung.

Die frohe Botschaft von der Auferstehung erfüllt auch unser eigenes Leben mit Hoffnung: In der Taufe sind wir mit dem gesamtem Leben Christi verbunden. Christi Auferstehung für unseren Auftrag als Getaufte zugleich Fundament und Ziel. Fundament allen Handelns und Ziel sowohl jeder einzelnen Person als auch der Kirche als „Vehikel“ für das Wachsen des Gottesreiches unter uns. Der Glaube an die Auferstehung ist ein Zeichen des Lebensbeginns und einst die Vollendung unserer Existenz bei Gott.

Mit seinem Tod und seiner Auferstehung schenkt Christus uns die Verheißung, dass auch wir mit ihm auferstehen werden – diese Hoffnung treibt uns, unsere Stadt und unsere Welt in Gottes Sinn mitzugestalten.
Die Feier des Osterfestes verbindet uns zudem in ökumenischer Geschwisterlichkeit über alle Konfessionsgrenzen hinweg, auch wenn wir nicht immer am selben Datum feiern und dies uns die Zerrissenheit der Christen schmerzlich vor Augen führt.

Wir werden eine Pfarrei sein, die von drei Ordensspiritualitäten geprägt ist. Das gibt unserem Blick auf Christi Auferstehung viele Farben und „Andockpunkte“ für unser Wirken als Leib Christi in unseren Kiezen.
Im Johannesevangelium haucht der Auferstandene die versammelten Jürger:innen an, schenkt ihnen so den Heiligen Geist und sendet sie. Weil Gott so heilend handelt und gehandelt hat, ist unser Hineingenommenwerden in diese missio Dei (ein wichtiger Begriff der Steyler Spiritualität), unser Engagement überhaupt erst sinnvoll und möglich. Weil also Gottes Geist wirkt, können wir andere Menschen in die Gemeinschaft der Jünger:innen Jesu einladen.

Christi Auferstehung ist auch nicht einfach ein großes Fest im Kirchenjahr, sondern Ausdruck unserer persönlichen Christusbeziehung, in die wir immer weiter hineinwachsen wollen und dürfen. P. Franzis Maria Jordan schreibt dazu: „Christus ist unser Heil, unser Leben, unsere Auferstehung“ (GT I/180) und bittet immer wieder „en ego, mitte me“ (Hier bin ich, sende mich – u.a. GT I/146, II/12, IV/5). Diese Bitte wollen wir uns zueigen machen.

In der ignatianischen Spiritualität sind es besonders die Themen der sogenannten „Vierten Woche“ der Exerzitien, die zur Begegnung mit dem Auferstandenen und

zu einem Leben aus dem Geist Gottes einladen. Ignatius weist dem Auferstandenen vor allem das „Trösteramt“ zu. Er erscheint den verängstigen Jüngerinnen und Jüngern, ermutigt sie, gibt ihrem Leben neue Perspektive. In der Dynamik der Auferstehung Christi dürfen wir vertrauen, vom Auferstandenen getröstet und ermutigt in den Alltag gesandt zu sein, um unsere ganz persönliche Berufung in der Kraft des Heiligen Geistes dort zu leben. Mit der Betrachtung zur Erlangung der Liebe bitten wir den Auferstandenen: „Gib mir deine Liebe und Gnade, das ist mir genug.“

Die Ermutigung, die vom Glaubensgeheimnis der Auferstehung Christi ausgeht, die Zusage Seiner Gegenwart in unserem Leben, die uns als Getaufte „sendebereit“ macht, drückt sich auch im biblischen Leitwort aus, das wir passend zum Patrozinium gewählt haben: „Ich bin bei Euch alle Tage bis ans Ende der Zeit.“ (cf. Mt 28,20).

Unsere Gemeinden feiern gern (wenn uns Corona nicht ausbremst) – und so können wir fröhlich an der alten kirchlichen Tradition festhalten, dass der eine österliche Tag acht Tage dauert: wir wissen, uns wird viel einfallen, unser Patrozinium gemeinsam zu gestalten, zu feiern und in den Alltag zu übersetzen.

Wir sind Katholik:innen rund um den Funkturm: wir wollen „funken“ und dazu beitragen, dass der österliche Auferstehungsfunke überspringt.

Soziologische Beschreibung des Pfarreigebiets

Der Berliner Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf (partiell deckungsgleich mit der neuen Pfarrei) ist ein eher bürgerlicher Wohnort und weist eine vorteilhafte Sozialstruktur auf. Er ist eines der umsatzstärksten Geschäfts- und Handelszentren in Berlin und durch nur minimales Bevölkerungswachstum gekennzeichnet.

Viele Bürger:innen haben höhere Schul- und Berufsabschlüsse, überdurchschnittlich häufig haben die Bewohner:innen des Bezirks einen Hoch- oder Fachhochschulabschluss erworben. Nirgendwo sonst in Berlin befinden sich innerhalb der erwerbstätigen Bevölkerung so viele Selbstständige (22,5%).
Die Arbeitslosenquote bezifferte sich im November 2019 auf 7,3%, der Anteil der Anteil Sozialhilfeempfänger liegt in allen Verkehrszellen unter 5%, in der Regel sogar unter 2%.
Am 31. Dezember 2016 lag der Ausländeranteil bei 24,4%, das Durchschnittsalter der Bevölkerung bei 45,5 Jahren. Im Durchschnitt bewohnen nur 1,7 Personen einen Haushalt. Ein- und Zweipersonenhaushalte bilden zusammen einen Anteil von 83% im Bezirk.
Einpersonenhaushalte sind mit einem Anteil von 53,3% an allen Haushalten dominierend. Sie werden mehrheitlich von unter-65-jährigen bewohnt.
Im Juni 2020 waren 17,0 % (58.343) der Einwohner evangelisch, 11,7 % (39.984) katholisch, der große Rest von 71,3 % (244.623) hatte eine andere Religionszugehörigkeit oder ist konfessionslos. Die Zahl der Christen sinkt kontinuierlich, während der Anteil der Konfessionslosen zunimmt.
Das Pfarreigebiet ist sehr unterschiedlich besiedelt. Neben den dicht besiedelten Ortsteilen Charlottenburg und Halensee liegt Grunewald, einer der am dünnsten besiedelten Ortsteile Berlins. Einige Gegenden in Westend und Charlottenburg zeigen das typische (West-)Berliner Ambiente mit einer Mischung aus Mietshäusern und Gewerbe.
Zwischen AVUS und dem Grunewald liegt Schmargendorf, das seinen kleinstädtischen Charakter mit seinem eigenen historischen Ortsteilzentrum bis heute erhalten hat.
Der Ortsteil Grunewald zählt zu den wohlhabendsten Gebieten Berlins und ist geprägt von herrschaftlicher Villenbebauung. Es befinden sich dort viele Botschaften und zahlreiche Botschafter-Residenzen.

Quellen: MDB-Sozialbericht, https://kiezatlas.berlin