Und wenn ich die meisten Follower hätte und die originellsten Reels produzierte, hätte aber die Liebe nicht, so wäre ich wie eine KI, eine ChatGPT – so Jörg Niesner in seiner „Übersetzung“ des berühmten Hohenlieds der Liebe des Apostels Paulus, die Kathryn Kortmann als Lektorin im diesjährigen Valentinsgottesdienst in St. Canisius vortrug.
Dem Valentinstag waren wieder umfangreiche Vorbereitungen vorausgegangen. Das Team von CanisiusPlus hatte sich diesmal vergoldete Schokoherzen als Give Away ausgedacht. Anna (Lusikov) & Anna (Sommerfeld) hatten wieder ein tolles Musikprogramm vorbereitet: Elvis‘ Love me tender gab’s zum Kyrie, Leonard Cohen gleichnamigen Klassiker zum Halleluja und ABBAs Mamma mia zum Dank – um nur ein paar Stücke zu nennen. Die Kreativabteilung hatte die Kirche vorab in Rot getaucht – eine Ideale Landebahn für Amors Pfeile! Die vorbereiteten Sektflaschen für den abschließenden Empfang sollten alle geleert werden, denn die Kirche war prall gefüllt. Fotograf Jasper Kortmann hatte ordentlich zu knipsen …
Hier zeichnen sich interessante Entwicklungen ab: Zum einen gab es viele Kirchenbesucher aus den drei katholischen Gemeinden Borromäus mit Salvator, Heilig Geist und Canisius. Nach neun Jahren Valentinstradition in Canisius gibt es inzwischen aber auch Stammgäste aus anderen Gemeinden (und Konfessionen), die gezielt zu diesem Segnungsgottesdienst kommen. Und es gab schließlich auch viele neue Gesichter, die oft gar keinen kirchlichen Hintergrund zu haben schienen. Ein Grund dafür könnte auch die natürlich etwas süffisante Ankündigung im TAGESSPIEGEL gewesen sein: „Christlicher Nachwuchsgewinn am Valentinstag. Kirchentinder, wie schön!“ Sollte dem so sein, so soll es uns recht sein! In der Hauptsache ging es aber darum, die Liebe zu feiern, egal ob sie gerade ein paar Wochen alt ist oder ob die goldene Hochzeit schon gefeiert werden konnte.
Im Altarraum waren viele rot gekleidete Ministranten und Zelebranten. Letztere kamen aus verschiedenen Ländern: Togo, Indonesien, Ghana, Bayern und natürlich Berlin, vertreten durch die einzige Pfarrerin, Ramona Rohnstock von der evangelischen Epiphaniengemeinde. Pfarrer Gerald Tanye SVD leitete den Gottesdienst mit Kaplan Jérémie Sossou und Diakon Yohanes Paji, ebenfalls Steyler aus Heiliggeist. P. Hösl SJ steuerte die Predigt bei. Er bezog sich auf den Bestseller von Gary Chapman, der mit seinen „fünf Sprachen der Liebe“ einen Klassiker in Sachen Liebe verfasst hat.
Gegen Ende der Messe lud P. Hösl wieder zum Tanz zu Hildegard Knefs „Für mich soll’s rote Rosen regnen“, an dem sich viele Paare beteiligten. Während Anna & Anna sangen, sorgte Küster Trystan Stahl mit Helfern für den traditionellen Rosenblätterregen. Die Rosen wurden auch in diesem Jahr von Martina Michl von Hahn-Bestattungen spendiert.
Spiritueller Höhepunkt war freilich für viele der Paar- und Einzelsegen am Schluss. Jeder sagte seinen Vornamen und es segneten fünf Zelebranten die Gekommenen. Das ist immer ein sehr persönlicher, ja intimer Ritus. Nicht alle, die nach vorne kamen, leben in einer glücklichen Beziehung. Manchmal war der Partner schon verstorben und nicht wenige sehnen sich bisher erfolglos nach einem Freund/einer Freundin für’s gemeinsame Leben. Mögen die gesprochenen Segensgebete in Erfüllung gehen!
Wer sich seinen Segen abgeholt hatte, der konnte schon mal in den ebenfalls rot geschmückten Gemeindesaal gehen, wo Sektkorken knallten und auf die Liebe angestoßen wurde, sei es, weil sie sich eingestellt hatte, sei es, damit sie sich einstellt.
Herzlichen Dank allen, die diesen Abend vor- und nachbereitet haben. Der Valentinstag trägt die Handschrift von vielen Freiwilligen. Vergelt’s Gott ihnen allen!
P. Manfred Hösl SJ








Fotos:
Jasper Kortmann
Instagram: jasperjoko_photography