15.02.2026, 17:00 Uhr, Hochmeisterkirche, Berlin-Halensee:
Kirchlicher Karneval im Altarraum? Weit gefehlt! Aber ein Blick dorthin zeigte eine breite Auswahl von kirchlichen Gewändern von 14 Kirchen, die gemeinsam ihre Hoffnung feierten!
Manche Kirchen, wie z.B. der Vertreter der reformierten (calvinistischen) Kirche Ungarns, Kornél Keszég, hatten gar keine liturgische Kleidung an. Der Prediger des Gottesdienstes, Bischof Emmanuel Sfiatkos (Griechisch Orthodoxe Metropolie) war dagegen ganz so gekleidet, wie man sich das von einem orthodoxen Würdenträger vorstellt. Wir zwei Katholiken – neben mir der altkatholische Priester Christian Meier – waren textilisch gesehen irgendwo in der Mitte.
Aber auf die Textilien kommt es ja nicht an – es geht um den Text: Das diesjährige Motto der Ökumenischen Gebetswoche stammt aus Epheser 4,14: Ein Leib und ein Geist, wie ihr auch berufen seid zu einer gemeinsamen Hoffnung in eurer Berufung.
Musikalisch federführend war die armenisch-orthodoxe Kirche mit ihrem Chor, sowie Hakob Hakobyan, dem Pfarrer der Gemeinde. Die armenische Kirche ist die älteste Staatskirche der Welt.
Die Gebete wurden von allen 14 Liturgen in der jeweiligen Landessprache gesprochen. Und so hörte man: Koreanisch, Ungarisch, Twi, Schwedisch, Armenisch, Arabisch oder Englisch. Das ausgeteilte Libretto mit allen Gebeten erleichterte der internationalen Gemeinde dem multikonfessionellen Gottesdienst zu folgen.
In seiner Predigt nahm Bischof Sfiatikos Bezug auf das Evangelium, wo von Christus, dem Licht, die Rede war. Hier liegen wir Christen alle nahe beieinander, hier sind wir stark. Und das müssen wir in die Waagschale werfen, um den sattsam bekannten Herausforderungen (Kriege, Fanatismus, Verfolgung…) zu trotzen.
Das klang besonders aus den Fürbitten heraus. Wie immer bei den Ökumenischen Gebetswochen–Gottesdiensten gab es eine Zeichenhandlung, die Hendrik Kissel von der baptistischen Friedenskirche vorstellte. Es gab drei Stationen, wo man eine Kerze anzünden oder eine Fürbitte schreiben konnte. So kam Bewegung in den Gottesdienst.
Das Vater Unser betete jeder in seiner Muttersprache, aber der Armenische Chor sang es dann noch einmal.
Joachim Krätschell, Hausherr und Pfarrer der Hochmeisterkirche, lud am Ende zu einem gemeinsamen Snack bei einem Glas Wein oder Wasser ein. Zuvor spendeten Bischof Sfiatiko, Superintendent Carsten Bolz und der Generalvikar der Koptisch-Orthodoxen Kirche, El-Moharsky, gemeinsam den Segen.
Mit einem letzten Lobgesang der Armenier und dem Auszug der Liturgen endete ein farbenfroher internationaler Gottesdienst.
Vielen Dank besonders an Prädikant Nikolaus Schönfeld, der maßgeblich an der Planung und Organisation dieses Gottesdienstes beteiligt war.
P. Manfred Hösl SJ




Fotos: P. Manfred Hösl SJ